Wissenschaftspolitik für gute Rahmenbedingungen für die Forschung
Die Akademien der Wissenschaften Schweiz setzen sich für gute Rahmenbedingungen für Forschende in der Schweiz ein, vorab durch Einflussnahme der Entwicklungen im Schweizerischen und im Europäischen Forschungsraum, aber auch darüber hinaus.
Aufgrund ihrer hohen Bedeutung für den Wissensstandort Schweiz engagieren sich die Akademien gemeinsam mit anderen nationalen Akteuren für stabile Beziehungen zwischen der Schweiz und der EU. Ein besonderes Anliegen ist ihnen dabei eine volle Assoziierung der Schweiz an die europäischen Rahmenprogramme für Forschung und Innovation.
Stellungnahmen
Stellungnahme zum Paket Schweiz-EU (Bilaterale III)
Im Oktober 2025 haben die Akademien der Wissenschaften Schweiz ihre Befürwortung der Stabilisierung und Weiterentwicklung der Beziehungen zwischen der Schweiz und der EU im Rahmen der Bilateralen Verträge III zum Ausdruck gebracht. Sie erachten die darin enthaltenen EU-Programmabkommen (EUPA), die den Zugang zu europäischen Forschungsprogrammen ermöglichen, als wegweisend für die Zukunft unseres Landes. Denn eine starke Wissenschaft ist ein zentraler Pfeiler für den Wohlstand, die Innovationskraft und die gesellschaftliche Resilienz der Schweiz.
Exzellente Forschung und Innovation sind auf internationale Zusammenarbeit angewiesen: Sie leben vom Austausch über Grenzen hinweg, vom Zugang zu Talenten, Infrastrukturen und Netzwerken. Europäische Programme wie Horizon Europe, Euratom, Digital Europe und Erasmus+ bieten hierfür einzigartige Rahmenbedingungen, die durch rein nationale Initiativen nicht gleichwertig ersetzt werden können. Die volle Assoziierung an diese Programme stärkt nicht nur die internationale Position und Wettbewerbsfähigkeit des Wissenschaftsstandorts Schweiz, sie eröffnet auch Mitgestaltungsmöglichkeiten bei zentralen wissenschafts- und innovationspolitischen Entwicklungen.
Die Akademien verstehen die Abkommen als Investition in die Zukunftsfähigkeit unseres Landes und unterstützen deshalb den vom Bundesrat eingeschlagenen Weg vorbehaltlos.
Das Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) informiert auf seiner Website zu den Möglichkeiten zur Teilnahme von Forschenden aus der Schweiz an Horizon Europe.
Ablehnung der Volksinitiative «Keine 10-Millionen-Schweiz»
Exzellenz in den Bereichen Bildung, Forschung und Innovation bildet eine zentrale Grundlage des Wohlstands in der Schweiz. Die Volksinitiative «Keine 10-Millionen-Schweiz» gefährdet diese Grundlage, indem sie die Position des Wissenschaftsstandorts Schweiz schwächt – mit langfristigen Folgen für Gesellschaft, Wirtschaft und Wettbewerbsfähigkeit der Schweiz. Die Akademien der Wissenschaften Schweiz lehnen diese Initiative aufgrund ihrer schädlichen Folgen entschieden ab.
Die Initiative, über die am 14. Juni 2026 abgestimmt wird, verlangt eine Begrenzung der Schweizer Wohnbevölkerung auf zehn Millionen Menschen. Zur Durchsetzung dieser Begrenzung ist notfalls die Kündigung des Personenfreizügigkeitsabkommens mit der EU vorgesehen. Dadurch wären die bilateralen Abkommen zwischen der Schweiz und der EU insgesamt gefährdet, auch die Teilnahme der Schweiz an europäischen Forschungsprogrammen wie Horizon Europe. Dies würde zu erheblicher Unsicherheit und anhaltender Instabilität in den Beziehungen zur EU führen und die Rahmenbedingungen für Forschung und Innovation in der Schweiz nachhaltig verschlechtern.
In einer Welt, die von zunehmenden globalen Unsicherheiten geprägt ist, kann die Schweiz die grossen Herausforderungen unserer Zeit nicht alleine bewältigen: Die internationale Zusammenarbeit bleibt ein unersetzlicher Hebel.
Ältere Stellungnahmen
2019 riefen die Akademien dazu auf, das Institutionelle Rahmenabkommen zwischen der Schweiz und der EU abzuschliessen.
2022 trugen die Akademien die «Stick to Science» online-Kampagne mit.
Internationales Netzwerk
ALLEA All European Academies
Die Ziele von ALLEA,. dem Verbund europäischer Akademien der Natur- und Geisteswissenschaften, sind gute Bedingungen für die Forschung, die Stärkung der Rolle der Wissenschaft in der Gesellschaft sowie beste unabhängige und interdisziplinäre wissenschaftliche Beratung. Die Akademien der Wissenschaften Schweiz bringen sich durch Mitwirkung in strategischen Gremien und thematischen Arbeitsgruppen stark ein. Zudem trugen sie 2019 die ALLEA-Generalversammlung in Bern aus.
International Science Council ISC
Dieser Dachverband mit mehr als 260 Wissenschaftsorganisationen und internationalen Fachgesellschaften arbeitet auf globaler Ebene, um Fachwissen, wissenschaftliche Beratung und Einflussnahme in Fragen von grosser Bedeutung für die Wissenschaft und Gesellschaft zu fördern und zu bündeln. Die Interessen der Schweizer Wissenschaftsgemeinschaft im ISC werden vertreten durch die Akademie der Naturwissenschaften Schweiz (SCNAT) und der Schweizerischen Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften (SAGW).
OECD Global Science Forum
Das GSF dient den OECD-Mitgliedstaaten als Plattform zur Erarbeitung von Handlungsempfehlungen für die Ausgestaltung ihrer Wissenschaftspolitik zu prioritären Themen. Im Namen der Akademien der Wissenschaften Schweiz nimmt Lukas Baumgartner (Universität Lausanne) an der vom Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) geleiteten Schweizer Delegation ans GSF teil.
Round Table Swiss Representation in International Organisations and Research Infrastructures
Dieser Round Table dient der naturwissenschaftlichen Gemeinschaft dazu, die Anbindung an internationale Organisationen und Forschungsinfrastrukturen sicherzustellen, und als Austauschplattform mit den Forschungsförderorganisationen. Der Round Table wird koordiniert von der Akademie der Naturwissenschaften Schweiz (SCNAT).
DARIAH Digital Research Infrastructure for the Arts and Humanities
DARIAH ist der europäische Verbund digitaler Forschungsinfrastrukturen für Forschende in den Geisteswissenschaften, die mit computergestützten Methoden arbeiten. Schweizer Kooperationspartnerin ist die Schweizerische Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften (SAGW).