Voten für den Prix Média Newcomer

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Beitrag von Giulia Bernardi/Caroline Tanner: «Bilder des Selbst» – Webplattform «f3f3»

Tritt eine Krise ein, so verändert sich die gewohnte Lebensweise oft schlagartig. Doch verändert sie auch unser Selbstbild? Giulia Bernardi und Caroline Tanner untersuchen dies anhand zweier philosophischen Positionen: Immanuel Kants «kategorischem Imperativ»  und Bruno Latours «Akteur-Netzwerk-Theorie», wobei ein Netzwerk nicht nur Menschen, sondern auch Tiere oder gar Vorstellungen umfasst, so etwa jene eines «gemeinsamen Schicksals», das gerade durch die Pandemie zum Vorschein kommt. In ihrem ersten Artikel «Autonomie im Wandel» skizzieren die beiden Autorinnen verschiedene Bilder des Selbst rund um die Frage, ob und wie wir autonom sein können. Der Artikel ist gleichzeitig Auftakt der Webplattform «f3f3», auf der kommende Artikel Einblick in das Schaffen weiterer Philosoph*innen geben sollen.

Beitrag von Michelle Isler: «Geschlechterverhältnis in der Krise?»

Männer erklären die Coronakrise – stimmt das? Die Analyse von Michelle Isler zeigt, dass in den Covid-19-Berichten der SRF Tagesschau Frauen deutlich weniger oft zu Wort kamen als Männer. Der Artikel fasst die wichtigsten Beobachtungen der Analyse zusammen und diskutiert, wie SRF zu diesen Zahlen steht, ob sich das Geschlechterverhältnis mit der Ausnahmesituation erklären lässt und warum es die Diskussion über eine gleichberechtigte Berichterstattung braucht.

Wie sieht die Medienpräsenz von Frauen in der Corona-Pandemie in den Medien aus? Dieser Frage geht Michelle Isler in ihrem Wettbewerbsbeitrag für den «Prix Média Newcomer» nach.

Michelle Isler, wie sind Sie auf den PM Newcomer aufmerksam geworden?

Ein Arbeitskollege ist auf Social Media darauf gestossen und hat mir davon erzählt. Er wusste, dass ich meine journalistischen Erfahrungen ausbauen möchte, und mich hat es ermutigt, dass er bei dieser Ausschreibung gleich an mich gedacht hat.

Wie sind Sie auf Ihr Thema gekommen?

Im Frühling habe ich einen Kurs zum Thema «Gender und Medien» besucht. Dabei ging es unter anderem um die mediale Repräsentation von Frauen und entsprechende wissenschaftliche Erkenntnisse von globalen Monitoring-Projekten. Es hat sich mir dann schnell die Frage gestellt, wie es eigentlich in der Schweiz mit der Sichtbarkeit von Frauen im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie aussieht. Dieser Frage wollte ich nachgehen.

Wie unterscheidet sich der Wissenschaftsjournalismus von anderen Formen des Journalismus?

Ich denke, entsprechende Fachkenntnisse und die Fähigkeit, wissenschaftliche Themen so aufzubereiten, dass sie auch Personen ohne fachliches Vorwissen abholen, gehören zu den Kernkompetenzen im Wissenschaftsjournalismus. Dabei ist die Vielfalt der Themen, die Wissenschaftsjournalist/-innen abdecken, sicher eine der grössten Herausforderungen.

Was können die «alten Hasen» von Ihnen lernen?

Journalistinnen und Journalisten formen durch ihre Entscheidungen die gesellschaftliche Wahrnehmung eines Themas oder einer Problematik mit, so auch bei Geschlechterbildern und Rollenvorstellungen. Ich würde mich freuen, wenn mein Projekt die Relevanz einer gleichberechtigten Geschlechterrepräsentation in Erinnerung ruft. Im Grundsatz scheint mir die Sensibilität zwar schon vorhanden zu sein, aber an der Umsetzung mangelt es nach wie vor. Wenn es für Medienschaffende künftig immer selbstverständlicher wird, auch in hektischen Krisenzeiten die eigene Praxis bei der Wahl von Auskunftspersonen zu hinterfragen, wäre ein wichtiger Schritt schon getan.

Was lernen Sie von den «alten Hasen»?

Journalistisches Handwerk: Aus komplizierten und vielschichtigen Themen Geschichten zu machen und sich auf das Wesentliche zu konzentrieren, aber auch genau hinzuschauen, zu hinterfragen, Perspektiven zu wählen. Ausserdem lerne ich viel von Journalistinnen und ihren Erfahrungen – von weiblichen Vorbildern lesen und hören inspiriert mich ungemein.

Was würden Sie mit dem Preisgeld machen, sollten Sie gewinnen?

Ich würde es in meine journalistische Ausbildung investieren.

Wie sieht die Medienpräsenz von Frauen in der Corona-Pandemie aus? Dieser Frage geht Michelle Isler in ihrem Wettbewerbsbeitrag für den «Prix Média Newcomer» nach.

Michelle Isler (Jg. 1992) ist im Thurgau aufgewachsen und lebt seit 8 Jahren in Basel. Sie hat in Basel Religionswissenschaft und Hispanistik studiert und mit dem Master abgeschlossen. Ein Praktikum in der Kommunikationsabteilung der Uni Basel führte zu ersten journalistischen Erfahrungen und dem Wunsch, das Schreiben weiter zu verfolgen.  Seit Juli 2020 ist sie wissenschaftliche Mitarbeiterin bei der Informationsstelle «INFOREL».

Giulia Bernardi
Caroline Tanner

Giulia Bernardi, Caroline Tanner: Wie sind Sie auf den PM Newcomer aufmerksam geworden?

CT: Über die Projektleiterin des Prix Média, Lucie Stooss. Sie bat mich letzten Winter Flyer an der ETH zu verteilen, um auf das Programm aufmerksam zu machen. Nun haben wir uns selbst darauf beworben.

Wie habe Sie Ihr Thema gefunden?

CT: Was für ein Bild haben wir von uns als Menschen? Diese Frage beschäftigt uns schon lange. Wie wir uns sehen, hat einen unmittelbaren Einfluss auf unsere Handlungen. Als wir mal bei einem Apéro darüber sprachen, wurde uns klar, dass wir uns mit dem Thema «Menschenbilder im Wandel»  vertieft auseinandersetzen wollen.

GB: Wir hatten schnell das Gefühl, dass unser unterschiedlicher Hintergrund ein fruchtbarer Boden für diese Auseinandersetzung ist. Caroline beschäftigt sich mit dem Thema aus wissenschaftlicher beziehungsweise philosophischer Sicht, nicht zuletzt bedingt durch ihr Studium in Geschichte und Philosophie des Wissens. Ich hingegen bringe die künstlerische Sicht ins Spiel: Wie visualisiert sich dieses Menschenbild? Und als freie Journalistin frage ich mich natürlich: Wie können wir es für ein breites Publikum zugänglich machen?

CT: Ausserdem drängt sich die Frage in Anbetracht der aktuellen Corona-Krise förmlich auf. Der Mensch zeigt sich darin als ein verletzliches Wesen, was auch Einfluss auf das Menschenbild hat: Er ist der Natur nicht überlegen, sondern plötzlich durch sie – durch ein Virus –, verwundbar. Diese Linse, durch die wir auf die Welt blicken, wechselt oft ihren Fokus in Krisenzeiten stark. Sie verändert sich natürlich ständig, aber in den letzten Monaten ist vieles sichtbar geworden, und wir reagieren darauf.

Wie unterscheidet sich der Wissenschaftsjournalismus von anderen Formen des Journalismus?

CT: Wie andere Formen des Journalismus macht auch der Wissenschaftsjournalismus bestimmte Themen für ein breites Publikum zugänglich, in diesem Fall das Wissen der verschiedenen wissenschaftlichen Fachbereiche. Obwohl wir – im Gegensatz zum politischen und wirtschaftlichen Geschehen –, im Alltag oft nicht direkt mit wissenschaftlicher Forschung in Berührung kommen, prägt diese grosse Teile unseres Weltverständnisses und kann uns neue Sichtweisen eröffnen. Dies betrifft sowohl die Natur-, wie auch die Geistes- und Sozialwissenschaften.

Was können die «alten Hasen» von Ihnen lernen?

GB: Wir möchten wissenschaftliche Inhalte zugänglich machen. Dabei wollen wir mit crossmedialen Formaten wie Video und Podcast experimentieren, vielleicht auch mit kürzeren Texten, die einen nicht mit Fachbegriffen erschlagen. Wir nehmen etablierte Positionen aus der Wissenschaft als Ausgangslage, die wir dann aus einer jungen Perspektive betrachten.

Was lernen Sie von den «alten Hasen»?

CT: Sie haben ein Fundament gelegt und tun dies noch immer, denn sie machen Tag für Tag wissenschaftliche Inhalte einem breiten Publikum zugänglich. Nun haben wir das Glück davon zu profitieren, können uns an ihrem Handwerk orientieren. Was sie bisher erarbeitet haben und was gut funktioniert hat, möchten wir weiterentwickeln.

Was würden Sie mit dem Preisgeld machen, sollten Sie gewinnen?

GB: Wir möchten die Webplattform weiterführen und zu einem crossmedialen Archiv von Menschenbildern ausweiten, um mit jedem Beitrag immer wieder eine neue Perspektive auf unsere Realität zu geben: Sie ist eben nicht nur schwarz-weiss, sondern hat viele Grautöne. Wir möchten dabei feine Nuancen aufzeigen und nicht in Extrempositionen verfallen, was uns insbesondere jetzt wichtig erscheint, in Anbetracht der aktuellen Krise.

CT: Die Vielfalt an Menschenbildern, die wir mit dem Archiv zugänglich machen möchten, soll inspirieren, selber über sein eigenes Bild und den Standpunkt, den man in der Welt einnimmt, zu reflektieren. Das ist enorm spannend und kann einem persönlich aber auch das Leben auf gesellschaftlicher Ebene bereichern.

Die Corona-Krise macht unterschiedliche Menschenbilder sichtbar. Diesem hochaktuellen Thema widmet sich der Wettbewerbsbeitrag von Giulia Bernardi und Caroline Tanner für den Prix Média Newcomer.

Giulia Bernardi (Jg. 1990) schloss 2015 ihren Bachelor in Kunstgeschichte und Anglistik an der Universität Zürich ab und wird diesen Herbst ihren Master in Kunstgeschichte und Bildtheorie in Basel absolvieren. Während und nach dem Studium arbeitete sie als Texterin bei verschiedenen Werbeagenturen. Danach war sie von 2017 bis 2018 bei den NZZ Fachmedien tätig und leitete während zweieinhalb Jahren die Redaktion des Winterthurer Kulturmagazins «Coucou». Seit 2018 ist sie freischaffende Journalistin mit Schwerpunkt auf zeitgenössischer Kunst. Giulia Bernardi ist in Locarno geboren, in Italien und Deutschland aufgewachsen und lebt seit zehn Jahren in Zürich.

Caroline Tanner (Jg. 1990) absolviert ihren Master in Geschichte und Philosophie des Wissens an der ETH Zürich, wo sie 2016 bereits den Bachelor in Architektur abschloss. Dort arbeitet sie als Hilfsassistentin am Lehrstuhl für Technikgeschichte an einem historischen Sammelband über die Digitalisierung seit den 1990er-Jahren. Ausserdem beteiligte sie sich an den Publikationsprojekten «cache» und «Æther», die geisteswissenschaftliche Inhalte und Methoden einem breiten Publikum zugänglich machen. Von 2016 bis 2019 war sie Redaktorin bei der Architekturzeitschrift «Modulør» der NZZ Fachmedien.Caroline Tanner ist in Bern geboren und aufgewachsen und lebt seit neun Jahren in Zürich.